Hong Kong ist sportlich wie finanziell ein Paradies

Andreas Suborics berichtet über seine Zeit in Hong Kong

News | 16.07.2014 – Andreas Suborics ist mittlerweile ein seltener Gast geworden auf Deutschlands Rennbahnen, denn der dreifache deutsche Jockey-Champion, der einer der besten Reiter Europas ist, hat mittlerweile seine Zelte in Hong Kong aufgeschlagen.

Hong Kong ist sportlich wie finanziell ein Paradies

Erstmals in der Saison 2012/2013 mit einer Lizenz ausgestattet, konnte sich Suborics in der abgelaufenen Saison 14 Siege und 134 weitere Platzierungen bei insgesamt 458 Starts sichern und gewann dabei rund zwei Millionen € Rennpreise. Damit gelang dem Top-Jockey eine Verbesserung gegenüber seiner Debüt-Saison in der asiatischen Wirtschaftsmetropole.

Derzeit wird in Hong Kong pausiert und „Subi“, wie ihn seine Fans nennen ist auf Besuch in der alten Heimat. Am vergangenen Sonntag übernahm er einige Ritte am Großen Erdinger Renntag und kehrte dafür an die alte Wirkungsstätte München zurück, wo er als junger Reiter seine ersten Schritte in Deutschland unternahm. Wir haben die Gelegenheit genützt und ein kurzes Interview mit dem Jockey geführt.

Grundsätzlich ist der 42-jährige mit dem Verlauf der zweiten Hong Kong-Saison zufrieden, wenngleich es für ihn immer noch ungewohnt ist als europäischer Top-Reiter nur einen der Mittelfeld-Plätze in der Statistik belegen zu können.
Allerdings ist die Konkurrenz in Hong Kong groß und es ist alles andere als einfach sich bei Trainern und Besitzern einen Namen zu machen. Ein solcher ist allerdings notwendig um an die besten Ritte zu kommen.
Im Gegensatz zu Europa muss sich der Jockey in Hong Kong selbst um seine Ritte kümmern und kann nicht auf die Dienste von Agenten zurückgreifen. Zur Arbeit eines Freelancers gehört es deshalb auch ständig Kontakt zu Trainern und Besitzern zu halten um bei diesen Berücksichtigung zu finden wenn Ritte vergeben werden.

Geprägt war die letzte Saison von unzähligen Engagements auf Außenseitern die der gebürtige Wiener regelmäßig in die Platzierung ritt und sehr gute Kritiken für seine Auftritte erhielt. Jedenfalls genießt er bei den großen Trainern und Besitzern einen guten Ruf und wird häufig für die zweite Farbe gebucht. Gegen Ende der Saison gelang ein Gruppe 3-Sieg, der Hoffnung auf weitere prominente Treffer in der neuen Saison macht, die im September beginnt. Wichtig wäre es vor Allem einen Ruf für ein talentiertes junges Pferd zu erhalten, denn regelmäßige Top-Platzierungen in den vielen Jahrgangsrennen sind nicht nur finanziell attraktiv sondern sorgen für zusätzliche Reputation und diese wiederum für bessere Chancen auf aussichtsreiche Ritte.

Sportlich wie auch finanziell boomt der Galopprennsport in Hong Kong, wobei Galopprennen ungefähr das Ansehen von Fußball in Europa genießen. Die Rennen sind wichtigstes sportliches Ereignis der Wirtschaftsmetropole, die Aktiven genießen ein Ansehen wie europäische Fußball-Stars und zu jedem Renntag finden viele Tausend Zuschauer den Weg nach Sha Tin oder Happy Valley.  Häufig wird man von Fans auf der Straße angesprochen, die vor allem nach Tipps für die nächsten Rennen fragen, die man als Aktiver allerdings nicht geben darf. Insgesamt gibt es einen strengen Verhaltenskodex des Hong Kong Jockey Clubs an den man sich halten sollte, denn nicht nur die sportlichen Ergebnisse finden bei der Beurteilung für die alljährliche Neuvergabe der Lizenzen Berücksichtigung, sondern auch das generelle Verhalten des Jockeys, sowie die Trainer- und Besitzerzufriedenheit.
Auf die Frage warum Hong Kong seine Wahl gefunden hat, gibt Suborics zu bedenken, dass man dem Jockey-Beruf nur eine begrenzte Zeit nachgehen kann. Als Freelancer kann man nur überleben, wenn man eine ausreichende Zahl von Ritten erhält und die Ritte ein entsprechendes Salär einbringen, was bei niedrigen Rennpreisen in Deutschland nur in bedingtem Umfang möglich ist. In Hong Kong dagegen sind die Börsen gut, ein Teil der Lebenshaltungskosten wird übernommen und zudem gilt ein deutlich günstigeres Steuersystem, sodass es möglich ist Rücklagen für die Zeit nach der aktiven Karriere zu bilden.

Nach Hong Kong zurück geht es für den Österreicher Mitte August um die neue Saison vorzubereiten, die im September startet.
Vorher bekommen ihn seine Münchner Fans aber noch einmal zu sehen, denn am 27.Juli hat Suborics für den Großen Dallmayr-Renntag bereits Ritte übernommen und wird eventuell auch einen Starter im Gruppe 1-Rennen vorstellen.

Bildquelle: Lajos-Eric Balogh/turfstock.com