Fragen an den Herren des Rasens!

Ein Gespräch mit Mustafa Türk dem "Rasendoktor"

Blog | 24.04.2017 – Mustafa Türk (67) kümmert sich seit über 40 Jahren um die Qualität der Riemer Rennbahn. Ein Gespräch.

Fragen an den Herren des Rasens!Fragen an den Herren des Rasens!

Bald steht der erste Renntag nach einer langen Winterpause an. Was bedeutet das für den Rasen der Rennbahn und für Sie?

Das bedeutet viel Arbeit. Die Bahn ist unser Aushängeschild. Ist der Rasen nicht in einem perfekten Zustand, kann ich kein Auge zumachen. Feierabend ist ein Fremdwort. Meine Frau schimpf immer: „ Du bist mit der Rennbahn verheiratet“. Ich arbeite - falls es nötig ist - auch am Wochenende oder nachts, um den bestmöglichen Rasen zu bekommen. Ich werde hier auch oft „der Rasendoktor“ genannt. Nicht umsonst sagt man: Riem habe das beste Geläuf in ganz Deutschland. Auch internationale Gäste kommen wegen der idealen Bahnbedingungen gerne nach Riem. Die Vorbereitung für den ersten Renntag der Saison beginnt noch am letzten Renntag der vergangenen Saison. Die Bahn wird nach dem letzten Rennen sofort wieder in Top Zustand versetzt, nur so kann am Anfang der neuen Saison wieder ein guter Rasen wachsen.

Der Rasen der Bahn muss besonders robust sein. Erklären Sie uns den Rasen in München Riem. Stichworte: besonderer Samen oder Dünger.

Ein Sportrasen verfügt über besonders robuste und feste Wurzeln. Dadurch ist er stabiler und wächst schnell wieder nach. Wir verwenden auch speziellen Dünger. Der ist zwar sehr teuer, aber für unseren Rasen verwenden wir nur das Beste vom Besten.

Wie gehen sie mit Extremsituationen um, zum Beispiel wenn es zu viel regnet vor einem Rennen?

Wenn es viel regnet kann man eigentlich nicht viel machen. Wichtig ist es, den Rasen in Ruhe zu lassen und nicht mit Traktoren oder ähnlichen Fahrzeugen zu befahren. Dadurch würden Schäden entstehen. Wenn die Bahn das ganze Jahr in einem guten Zustand ist, kann sie auch mal mit etwas mehr Regen umgehen, die Bodenverhältnisse sind trotzdem immer gut. Bei großer Trockenheit muss man den Rasen genügend bewässern. Wenn nötig auch am Wochenende oder nachts – bei der Rasenpflege gibt es eben keinen Feierabend.

Wie viele Menschen sind nötig, um sich um den Rasen der Rennbahn zu kümmern, und was für Maschinen? Ein Rennen setzt dem Rasen ziemlich zu. Was ist für Sie zu tun nach einem Rennen, um den Rasen wieder auf Vordermann zu bekommen und wie lange dauert es?

Am Renntag wird nach jedem Rennen die Bahn von fünf bis sechs Personen per Hand gestampft. Die herausgerissen Bodenstücke werden wieder in die Löcher gedrückt, damit die Wurzeln wieder anwachsen können. Sehr wichtig ist es das Geläuf direkt nach einem Renntag wieder herzurichten und keine Zeit verstreichen zu lassen. Am Tag danach müssen alle anderen Arbeiten zurückstehen. Alle Rennbahnarbeiter kümmern sich darum, die Löcher in der Grasnarbe zu reparieren, was einen Tag dauert. Dann werden die Löcher mit Humus, Sand und Grassamen aufgefüllt, was ebenfalls einen Tag dauert. Anschließend wird mit einer großen Walze im Schritttempo über die 1800 Meter lange Bahn gefahren um alles anzudrücken, was ungefähr fünf Stunden dauert.
Gemäht wird der Rasen einmal die Woche, wenn nötig zweimal. Dabei kürzen wir den Rasen auf einer Höhe von zehn bis 15 Zentimeter. Wichtig dabei ist, nur die Spitzen der Grashalme zu schneiden und nicht wie auf anderen Rennbahnen bis zur Grasnarbe. Nur so bleibt die Grasnarbe dicht und widerstandsfähig. Bei Bedarf wird der Rasen mit der Sprinkleranlage unter der Woche gewässert. Kurz vor dem Renntag nicht mehr. Denn je weniger Wasser er hat, desto weiter nach unten gehen die Wurzeln, um sich das Wasser zu holen. Das macht die Halme fester und stabiler. Und von April bis September wird einmal im Monat der Boden belüftet beziehungsweise vertikutiert. Das ist ebenfalls sehr wichtig, um die gute Qualität zu erhalten.

Bildquelle: Lajos-Eric Balogh / turfstock.com

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